Rundgang auf der Halbinsel Höri Ein Paradies für Naturfreunde und Feinschmecker!

Als malerische Landzunge ragt die Halbinsel Höri zwischen Radolfzell und Stein am Rhein mit ihrer Spitze weit in den Untersee hinein. Es ist die gelungene Mischung aus Kunst, Kultur und Naturerlebnis, was die Höri so besonders und lebenswert macht – für Einheimische und Touristen gleichermaßen. Dies zeigen nicht zuletzt bekannte Persönlichkeiten wie Hermann Hesse und Otto Dix, die diesen Landstrich schon vor Jahrzehnten zu ihrem Lebensmittelpunkt wählten. Heute ist die Höri für viele Menschen immer noch so etwas wie ein Geheimtipp abseits der großen Touristenströme, womit die Einheimischen aber gut leben können. Für Radler, Wanderer, Wassersportler, Feinschmecker sowie Natur- und Kunstliebhaber ist die Höri aber allemal einen Besuch wert, wenn nicht sogar mehrere.

Höri-Rundgang

Wir starten unsere kleine Höri-Rundreise von Radolfzell aus am See entlang über eine pappelgesäumte Allee und erreichen als erstes die Gemeinde Moos am westlichsten Teil des Bodensees. Sie lädt mit ihrer gepflegten Seelandschaft und sanften Hügeln zum Verweilen und Bummeln ein, um den Untersee aus immer anderen Blickwinkeln zu entdecken. Die einzelnen, alle für sich sprechenden Ortsteile Moos, Bankholzen, Weiler mit Bettnang und Iznang, können über ein gut verzweigtes Wander- und Fahrradnetz gemütlich erkundet werden. Einen Abstecher lohnen auf jeden Fall die beiden Yachthäfen in Moos und Iznang. Wer gut essen möchte, ist bei den Neidhart-Brüdern im „Grünen Baum“ und im Hotel-Restaurant „Gottfried“ bestens aufgehoben.

Ob mit dem Auto, Fahrrad oder zu Fuß geht es mit Seeblick weiter und wir kommen nach Gundholzen, einer von drei Ortsteilen der Gemeinde Gaienhofen. Sie liegt genau an der Spitze der Halbinsel Höri im Bodensee und wird auch als „Mittlere Höri“ bezeichnet. Etwa 3200 Menschen wohnen hier auf einer Gemarkungsfläche von 1256 Hektar, die nahezu vollständig unter Natur- oder Landschaftsschutz steht. Diese intakte und liebevoll gepflegte Natur lädt jederzeit zum Wandern, Radeln, zu Wassersport jeglicher Art, zum Erholen oder einfach nur zum „Wohlfühlen“ ein.

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Duo gibt den Ton an

In Gaienhofen wohnte von 1904 bis 1912 der wohl bekannteste Bewohner der Höri, Literatur-Nobelpreisträger Hermann Hesse, er schuf dort einige bedeutende Werke. Dem Schriftsteller ist seit 1993 eine eigene Vortragsreihe gewidmet – die Hermann-Hesse-Tage. Auf seinen Spuren erfährt man in diesem Jahr vom 22. bis 25.09. Interessantes über die Hintergründe seiner Gaienhofener Zeit sowie über Leben, Werk und künstlerisches Umfeld. In seinem ehemaligen ersten Wohnhaus ist heute das Hermann-Hesse-Höri-Museum untergebracht. Es stellt in einer Dauerausstellung die Höri als Kunst- und Literarturlandschaft vor.

Die Werke vieler anderer „Höri-Künstler“ wie Max Ackermann, Helmuth Macke, Erich Heckel oder Curth Georg Becker sind im hier zu sehen, während einem der größten deutschen Maler des 20. Jahrhunderts, Otto Dix, eine Ausstellung in seinem ehemaligen Wohnhaus, dem Otto-Dix-Haus Hemmenhofen, gewidmet ist. Weitere Attraktionen in Gaienhofen sind die „Lenk-Skulptur“ mit Figuren aus einem Werk von Otto Dix, das umweltorientierte Campingdorf Horn, die katholische Pfarrkirche und der Wasserturm Horn mit einem einzigartigen Seerundblick.

Grenzerfahrungen

Nach Hemmenhofen geht es am Schloss Marbach vorbei weiter nach Wangen, einem Ortsteil von Öhningen. Mit seinem weiteren Ortsteilen Schienen - dem Bergdorf, liegt die Gemeinde am westlichen Ende des Bodensees an der Grenze zur Schweiz. Die ruhige Lage abseits der großen Verkehrswege und Touristen-Zentren hat dazu geführt, dass alle drei Orte staatlich anerkannte Erholungsorte wurden. Kulturhistorische Kostbarkeiten wie das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift in Öhningen, die romanische Wallfahrtskirsche in Schienen sowie das kleine Museum Fischerhaus in Wangen sind Mittelpunkte der gepflegten Ortschaften.

Museum feiert Jubiläum

Das Museum Fischerhaus in Wangen befindet sich in einem denkmalgeschützen Fachwerkhaus, einem Speicherbau, der 1604 errichtet wurde. Es wurde 1986 auf Initiative des Fördervereins vor dem Abbruch bewahrt und auf seinen heutigen Standort am See umgesetzt. Das Haus gehörte zum alten Ortskern des 1155 erstmals urkundlich erwähnten Bauern- und Fischerdorfes Wangen. Heute ist es ein Museum und enthält einen Querschnitt von Original-Fossilfunden, die aus den Öhninger Steinbrüchen stammen und ab 1708 wissenschaftlich gesammelt und beschrieben wurden. 

Zu den berühmtesten Fundstücken zählt ein Riesen-Salamander, der von Johann Jakob Scheuchzer irrtümlich als ein in der Sintflut ertrunkener armer Sünder beschrieben wurde. Das Fischerhaus präsentiert ebenfalls eine umfangreiche Sammlung von Tongefäßen, Stein-, Knochen- und Geweihgeräten sowie im Seeboden erhalten gebliebene Getreideähren, Körner, Nüsse und Textilien. Außerdem finden hier Kunstausstellungen, Vorträge und Sonderveranstaltungen statt.

Der Berg ruft

Anstatt den gleichen Weg am See entlang nach Radolfzell zurück zu nehmen, wählen wir den für Radler und Fußgänger etwas beschwerlicheren, aber landschaftlich nicht weniger reizvollen Weg über den Schienerberg. Von Öhningen aus kommen wir nach rund fünf Kilometern auf der in 600 Meter Höhe liegenden Kuppe und im Dorf Schienen an. Eines der besten Restaurants in der Region findet sich in dieser wunderbaren Abgeschiedenheit – das „Falconera“ von Johannes Wuhrer.

In Schienen lohnt es sich auch, der Wallfahrtskirche St. Genesius einen kleinen Besuch abzustatten. Sie gehört zu den „ehrwürdigsten und eindrucksvollsten, freilich unbekanntesten Gotteshäusern am Bodensee“, schreibt Dr. Matthias Köhler, Konservator am Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt in Halle über die Wallfahrtskirche in Schienen im neuen Kunstführer und fährt fort, es handele sich „um eine zu Unrecht bisher kaum gewürdigte kunstgeschichtliche Rarität.“ St. Genesius sei „ein echtes Kind der Kunstlandschaft Bodensee“.