Wandern am Eistobel bei Isny Reise in die erdgeschichtliche Vergangenheit

Gerade in Oberschwaben, im Allgäu und am Bodensee kommen Wanderer und Naturliebhaber voll auf ihre Kosten. Sie haben die Möglichkeit, die Schätze der hiesigen Kulturlandschaften mit ihren wunderschönen und erlebnisreichen Facetten zu entdecken. Egal ob Spaziergänge oder kindgerechte Familientouren: Ausflüge auf den „Schwarzen Grat“, den „Iberg“ oder durch die verwunschene und verzauberte Welt des Tobelbachs, der Hausbachklamm und des Eistobels sorgen für wunderbares Freizeitvergnügen. 

Eistobel bei Isny im Allgäu

Das belegen Zahlen: Über 70.000 Besucher besuchen jährlich den Eistobel bei Isny im Allgäu. Der Aufstieg zum beliebten Ausflugsziel begann 1879, als das Potenzial der Schlucht durch den deutsch-österreichischen Alpenverein entdeckt wurde. Der Ersterschließung folgten bis heute der Bau weiterer Stege und Wege sowie der Ausbau bestehender Anlagen.

Zur Geschichte: Der Eistobel entstand vor rund 15.000 Jahren, als sich gegen Ende der letzten Eiszeit im Talkessel von Ebratshofen ein Schmelzwassersee bildete. Eine Abflussrinne dieses Sees war der Ursprung der heutigen Schlucht. Im Laufe der Jahrtausende vertiefte sie sich immer mehr. Wer durch den Eistobel wandert, begibt sich auf eine Reise in die erdgeschichtliche Vergangenheit. Da die unterschiedlichen Gesteinslagen hier schräg aufgeschichtet sind, durchschreitet man in der Schlucht auf wenigen Kilometern Länge einen geologischen Zeitraum von mehreren Millionen Jahren – was einem 900 Meter tiefen Abstieg ins Erdinnere entspricht.

Versteinerte Haifischzähne

Zu Beginn der argenaufwärts gerichteten Wanderung finden sich die jüngsten Gesteinsschichten, die der Oberen Süßwassermolasse zugerechnet werden. Etwa ab der Mitte wandert man durch die Obere Meeresmolasse, Ablagerungen eines Millionen Jahre alten Meeres. Belegt wird dies unter anderem durch versteinerte Haifischzähne, die in diesem Bereich des Eistobels gefunden wurden. Kaskaden, Wasserfälle und Strudellöcher machen den besonderen Reiz des Eistobels aus.

Im Laufe der Jahrtausende sind sie überall dort entstanden, wo sich härtere und weichere Gesteinsschichten im Flusslauf abwechseln. Im Eistobel stürzt das Wasser mit großer Wucht über Geländestufen aus hartem Nagelfluhgestein. Befinden sich flussabwärts weichere Schichten aus Sandstein oder Mergel, werden diese durch die Kraft des Wassers allmählich abgetragen.

Im Laufe der Zeit bildeten sich so gewaltige Kolke und Strudeltöpfe. Einige von ihnen weisen heute eine Wassertiefe von mehr als fünf Metern auf. Wo in diesen Vertiefungen Steine durch die Strömung in rotierende Bewegungen versetzt werden, entstehen kreisförmige Strudellöcher. Im Eistobel leben zahlreiche Spezialisten aus dem Tier- und Pflanzenreich. So geht zum Beispiel die Wasseramsel im turbulenten Wasser der Oberen Argen auf Nahrungssuche – als einziger europäischer Singvogel, der schwimmen und tauchen kann.

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Märchenwelt

Entlang der Ufer schweben die prächtig gefärbten Blauflügel-Prachtlibellen. Die Bachforelle fühlt sich im kalten, sauerstoffreichen Wasser wohl und Überlebenskünstler wie die Steinfliege haben sich an den Lebensraum angepasst. Auch der mächtige Kolkrabe kreist manchmal über der Schlucht. Im Wald aus mächtigen Ahornen, Eschen, Ulmen, Buchen und sogar Eiben finden sich vor allem feuchtigkeitsliebende Schattenpflanzen. Moose, Farne und Riesen-Schachtelhalme erinnern den Besucher an manchen Stellen an einen tropischen Regenwald.

Fazit: Rauschende Wasserfälle und tiefe Strudellöcher, riesige Gesteinsblöcke und gewaltige Felswände: ein Besuch der Eistobelschlucht zwischen Oberstaufen und Isny bleibt unvergesslich. Ein gut gesicherter Pfad führt durch das dreieinhalb Kilometer lange Naturschutzgebiet. Seltene Tier- und Pflanzenarten, Erdgeschichte zum Anfassen und eine Märchenwelt aus Schnee und Eis - es gibt einfach viel zu entdecken!

Wanderwege in der Region

Neben dem Eistobel laden viele weitere abwechslungsreiche Wanderwege in der Region zwischen Allgäu, Oberschwaben und Bodensee zu Erkundungstouren ein.

So zum Beispiels die sieben Streuobst-Wanderwege im Landkreis Lindau, die interessante und fachkundige Informationen rund um Bedeutung, Vielfalt und Anbau des Streuobstes bieten. Ruhige Tümpel und idyllische Weiher, tiefe Brunnen und verborgene Quellen, historische Mühlen und alte Sägen, hohe Wehre und verwachsene Gräben, tiefe Kanäle und kleine Rinnsale, rauschende Bäche und tosende Wasserfälle: All das gibt es auf den 25 Westallgäuer Wasserwegen zu entdecken. Der ausgeschilderte Jakobus-Pilgerweg führt von Stiefenhofen über Weiler, Scheidegg, Lindenberg, Sigmarszell und Schlachters nach Lindau. Im DSV Nordic Aktiv Zentrum Isny Maierhöfen sind vier von elf Nordic-Walking-Trails zertifiziert. Der Nordic-Fitness-Sports-Park Westallgäu verbindet sechs Gemeinden im Westallgäu auf 150 km Länge. 22 ausgeschilderte Nordic-Walking-Routen unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade stehen zur Verfügung. Insgesamt gibt es beim Nordicwalkingpark Bayerischer Bodensee der Gemeinden Bodolz-Lindau-Nonnenhorn-Wasserburg 17 Nordic-Walking-Runden mit 2,6 bis 17,5 km entlang des Bodenseeufers und in das hügelige Umland. Und der Bodenseepfad mit Teilstrecken in Lindau, Wasserburg und Nonnenhorn ist ein naturkundlich orientierter Wanderweg rund um den Bodensee.