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Weinführer Bodensee

Weinführer Bodensee
Wie Falstaff & Co. urteilen

Qualität und Vielfalt der Weine in der Bodenseeregion haben in den letzten Jahren stark zugelegt, nicht zuletzt dank einer hochmotivierten und gut ausgebildeten jungen Winzergeneration. Schlägt sich das auch in den Bewertungen der einschlägigen Weinführer nieder? Können die Bodenseeweine heute mit denen aus größeren Weinregionen mithalten? Und welche Rolle spielt in den Guides der zunehmende Trend zu Bioweinen? Antworten geben die einschlägigen Weinführer.

Vinum Weinguide Deutschland

Zehn Winzer aus der Bodenseeregion sind im neuen Vinum Weinguide Deutschland für 2022 aufgeführt und bewertet, darunter Aufricht in Meersburg und Clauß in Nack mit drei Sternen, was einem „sehr gut“ entspricht. Mit zwei Sternen stehen auch Markgraf von Baden und das Staatsweingut Meersburg gut da, dicht gefolgt von Engelhof und Lorenz & Corinna Keller (LCK) mit anderthalb Sternen sowie Kress, Weingut Geiger, Winzerverein Hagnau und Spitalkellerei Konstanz mit einem Stern. Die Weine rangieren mit leichtem Aufwärtstrend im Schnitt bei einer Punktzahl von 85-90, seltener mit Bestnoten von über 90 Punkten. Was erst mal nach wenig klingt, ist bei den 1000 von berufenen Vinum-Weinexperten bewerteten Weingütern und über 11.000 Weinempfehlungen schon ein kleiner Ritterschlag für das vergleichsweise winzige Weingebiet Bodensee. In etwa spiegeln die Namen auch das Bild, das sich aus den regelmäßigen internationalen Weinprämierungen ergibt. Bioweingüter markiert Vinum mit einem grünen Blattsymbol, was eine schnelle Orientierung leichter macht.

Falstaff Weinguide 2022

Im Vergleich mit dem fast ebenso dickbändigen Falstaff Weinguide 2022 Deutschland fällt auf, dass unter den 550 besprochenen Betrieben dort nur sieben Weingüter aus der Seeregion Aufnahme ins Buch gefunden haben. Und nur eines davon, das Weingut Clauß, schneidet mit „sehr gut“, also mit drei Sternen, ab. Für Aufricht, Markgraf von Baden, Staatsweingut, Schmidt und Rebhof gibt es jeweils zwei Sterne. Die als exzellente Aufsteiger in der Seeregion geltenden Weingüter Kress und LCK fehlen ganz, auch Bioweinerzeuger wie Lanz.Wein. Die Weine bewertet Falstaff im Schnitt mit 90-92 Punkten etwas großzügiger als Vinum. Bioweingüter werden leider nicht hervorgehoben.

Gault & Millau

Gault & Millau beschränkt sich ich Sachen Weinguides auf Regionalausgaben und führt den Weinguide Baden-Württemberg von 2021 einfach weiter, der 230 Weinmacher im Ländle vorstellt. Bei den Favoriten in der Bodenseeweinregion haben mit drei Traubensymbolen Aufricht, Clauß und Markgraf von Baden die Nase vorn, auf zwei Trauben bringen es Staatsweingut, Spitalkellerei, Kress, Schmidt am Bodensee und LCK und auf eine Traube der Winzerverein Hagnau. Symbole oder Übersichten zu Biowinzern fehlen leider.

Eichelmann 2022 Deutschlands Weine

Dritter im Bunde ist der Eichelmann 2022 Deutschlands Weine mit 935 Weingütern. Anders als Vinum und Falstaff ist er alphabetisch nach Weinerzeugern gegliedert, was den Gebrauch schwerfälliger macht, wenn man beispielsweise nach guten Winzern und Weinen in einem bestimmten Weingebiet sucht. Das Ortsverzeichnis, das die Winzer nach Namen auflistet, hilft da auch nicht viel weiter. Dafür markiert der Eichelmann die zertifizierten Bioweingüter mit einem grünen Blatt und listet sie in einerseparaten Übersicht auf, sogar mit dem jeweiligen Biolabel. Allerdings fehlen in der Liste Bio-Seewinzer wie Haug und Lanz.Wein, obwohl sie im Buch mit anderthalb bzw. sogar drei Sternen (Lanz) ausgezeichnet sind.

Machen die Schweizer besseren Wein?

Auch in der Schweiz verzichtet Gault & Millau auf einen eigenen Weinguide, er listet lediglich eine Übersicht über die 150 besten Winzer des Landes – 40 in der Deutschschweiz – im Anhang seines Restaurantführers Guide Schweiz 2022 auf. Zwölf auf dieser Topliste befinden sich in der Seeregion. Der erstmals in diesem Jahr aufgelegte Falstaff Wein Guide 2022 Schweiz bewertet 175 eidgenössische Weingüter und 700 Weine. Die mit drei und zwei Sternen ausgezeichneten Weinerzeuger in Seenähe decken sich überwiegend mit denen auf der Gault & Millau-Bestenliste, namentlich: aagne Fa. Gysel in Hallau, Baumann in Oberhallau, Weingut Bad Osterfingen, Nadine Saxer aus Neftenbach, Roman Rutishauser und Bioweingut Lenz. Als einziger Winzer in der Seeregion ist Martin Wolfer aus Weinfelden mit vier Sternen in die Spitzenliga aufgerückt. Die einzelnen Weinbewertungen schneiden im Falstaff sehr oft mit 90-95 Punkten und damit besser ab als in den deutschen Weinguides, was die Frage aufwirft, ob die Schweizer tatsächlich bessere Weine machen. Topweingüter wie Biowinzerin Nadine Besson-Strasser in Uhwiesen, Burkhart und Broger Weinbau aus Weinfelden sind dem neuen Falstaff lediglich eine knappe Erwähnung wert. Biowinzer werden nicht besonders hervorgehoben. Lediglich eine Top-Liste erwähnt Bioweine, die über 90 Punkte erreicht haben.

Eine ganz andere Art von Weinführer ist Chandra Kurt’s Weinseller 2022, den die bekannte eidgenössische Weinautorin seit 24 Jahren alljährlich herausgibt. Auf 700 Seiten bespricht und bewertet die Weinexpertin 580 Weine, die in den Regalen von Schweizer Discountern und Supermärkten zu finden sind, davon ein Drittel aus der Schweiz, die übrigen aus mediterranen Herkunftsländern. In der aktuellen Ausgabe, stellt sie fest, dass auch bei den Discountern der Trend zu Bioweinen zugenommen habe. Einige gute Trinkweine aus der Seeregion hat sie sowohl bei Aldi, Coop, Lidl, Denner, SPAR und VOLG gefunden, verkostet und mit beachtlichen 16-17 Punkten (von 20) bewertet. Die meisten haben ein gutes Preis-Leistungsverhältnis: Sogar zwei Pinot Noir aus dem Blauburgunderland um die 9-10 Franken sind dabei.

Fazit

Fazit: Für Weinfreunde, die für guten Wein nicht so viel ausgeben wollen, ist der Weinseller eine Fundgrube. Auf der Suche nach Spitzenweinen und erstklassigen Weinerzeugern sind die einschlägigen Weinguides die besseren Ratgeber. Bei den ausgezeichneten Topweingütern ergibt sich für hüben und drüben ein relativ ähnliches Bild mit kleinen Abweichungen. In Sachen Biowein und Bodenseeweine haben beide Falstaff Guides noch Luft nach oben. Und beim Eichelmann wünscht man sich mehr Struktur und Übersichtlichkeit.