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Wie der Bodensee zu seinem Namen kam

Bis weit ins Mittelalter reicht die Geschichte der Familie Bodman zurück. Eine spannende Geschichte, die uns erzählt wie der Bodensee zu seinem Namen kam und was eine Familie bewegt, die fest mit dem Bodensee verwurzelt ist.

Interview mit Graf Wilderich von Bodman

Graf Bodman, Ihre Familie verbindet eine jahrhundertelange Tradition mit der Geschichte des Bodensees. Für den heutigen Namen des Sees spielt der Name Bodman eine wichtige Rolle. Wie kam es dazu?

Bodman ist eine der ältesten Siedlungen am See. Die Wurzeln des heutigen Namens Bodensee reichen bis ins 9. Jahrhundert zurück und leiten sich vom Namen der Königspfalz Bodman ab, die zu jener Zeit zunehmend an Bedeutung gewann. Das vormals alemannische Herzogsgut wurde nach dem Sieg der Merowinger und Karolinger über die Alemannen erst Königshof und später Königspfalz. Die Könige, Nachfolger von Karl dem Großen, waren wiederholt in Bodman zu Gast, haben hier Hoftage gehalten, beurkundet.

Die Pfalz gewann im Laufe des 9. und 10. Jahrhunderts so sehr an Ansehen, dass der bisher „lacus brigantinuns“ (nach dem damaligen römischen Hauptort am See, Brigantium – Bregenz) genannte See zum „lacus potamicus“, dem Bodman-See, wurde. Wolfram von Eschenbach bezeichnet ihn auf mittelhochdeutsch als Bodemen- oder Bodemsee, was sich schließlich zum heutigen Namen Bodensee weiterentwickelt hat. Der strategisch wichtige Ort, der auf dem Weg zu den Alpenpässen und in unmittelbarer Nähe zu den wichtigen Klöstern St.Gallen und Reichenau lag, war zu Zeiten des damaligen Reisekönigtums, als es keine Reichshauptstadt gab, ein zentraler Dreh- und Angelpunkt.

Seit über 700 Jahren ist Ihre Familie im Besitz der Ländereien in Bodman und prägt damit ein Stück Bodenseegeschichte. Wie schreibt sich eine solch lange Geschichte fort?

Zunächst einmal war es immer eine wechselvolle Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. Unsere Familie hatte ihren Sitz anfangs im Linzgau. In der Zeit der Staufer war das Königsgut Bodman fast gänzlich zerschlagen worden – durch Schenkungen, Belehnungen, gefälschte Besitzurkunden. Die Staufer versuchten im 12. Jahrhundert festzustellen, in welchen Teilen des Landes noch Reichsbesitz vorhanden war und Friedrich I. – Barbarossa – stieß hier auf das Königsgut und setzte zu dessen Erhaltung einen königstreuen Reichsministerialen als Verwalter ein – meinen Vorfahren. Viele Jahre gingen ins Land. Die Habsburger, die den Staufern – nach der kaiserlosen Zeit – als gewählte Herrscher nachgefolgt waren, haben den Besitz schließlich im Jahr 1277 an Johann von Bodman verpfändet. Eine glückliche Fügung für unsere Familiengeschichte. Das verpfändete Gut wurde nicht wieder zurück gefordert und schließlich als Besitz der Familie anerkannt – der nahezu in derselben Form noch heute besteht. Trotzdem gab es in der Geschichte immer wieder Rückschläge. Kein Krieg hat unsere Landschaft so nachhaltig beeinflusst wie der 30-jährige Krieg. Die überschuldete Herrschaft sollte verkauft werden, die Mittel waren knapp, die Landschaft geplündert, verbrannt und kaum noch bewohnt. Wenn die damaligen Bürger nicht so fest zur Familie gestanden und anderen Administratoren den Treueeid verweigert hätten, wäre das ehemalige Königsgut untergegangen. Aber so konnte die Geschichte fortgeschrieben werden und die Herrschaft sich langsam wieder erholen.

Neben der langen Tradition der Familie gibt es unter dem Namen Bodman auch ein modernes Unternehmen. Wie schafft man den Spagat zwischen Tradition und Moderne?

Aus einer solch langen Geschichte kann man vieles lernen. Von unseren Vorfahren haben wir mit dem Besitz auch eine große Verantwortung für die Natur und Umwelt übernommen, in der wir leben. Eine wichtige Maxime in unserem täglichen Betrieb heute. Vor allem, weil die Land- und Forstwirtschaft mit zu unseren wichtigsten Betätigungsfeldern zählen. Selbst in der relativ kurzen Zeit meiner Verwaltung – insgesamt waren es vierzig Jahre – waren viele Anpassungen nötig. Die Forstwirtschaft wird heute viel bewusster und schonender betrieben, als noch zu Zeiten meines Vorgängers. Wir haben den Bereich der Landwirtschaft erheblich vergrößert und während Bodman im Obstbau vor rund sechzig Jahren einer der Pioniere im Obstanbau auf Niederstammanlagen war, setzt mein Sohn, der das Unternehmen heute leitet, vermehrt auf Saftobst. Bodman ist ein Unternehmen, das in die Zukunft blicken muss und das ist immer verbunden mit einem Blick in die Geschichte und ein Zusammenspiel mit der Natur und den Menschen, die hier leben. Das gilt auch für den Tourismus, der zu meiner Zeit immer mehr Fuß fasste. Wir haben hier in Bodman einen jahrhundertealten gut erhaltenen Waldbestand und das einzige größere, naturbelassene Uferstück am See. Dafür hat meine Familie sich mehrfach eingesetzt. Ein Schatz, den man erhalten muss. Die Einwohner und Gäste sollten zu einem guten Miteinander finden, um unsere Kulturlandschaft zu erhalten und, um diese auch in Zukunft genießen zu können. Wir möchten ja die nächsten 500 Jahre auch noch hier leben. Das unterscheidet uns vielleicht von anderen Unternehmen, die etwas kurzfristiger denken. Die Heimatverbundenheit lässt uns langfristig denken und handeln.

Seit vielen Jahrhunderten lebt Ihre Familie am Bodensee. Was würden Sie dem See, seinen Anwohnern und Gästen für die nächsten 200 Jahre wünschen?

Die Geschichte hat uns gezeigt: Eine stete Weiterentwicklung ist wichtig. Das gilt auch für die Region Bodensee und die Bewohner. Aber wie so häufig gilt auch hier: In der Ruhe liegt die Kraft. Wir haben das Glück, in einer der schönsten Landschaften zu leben, die man sich vorstellen kann. Wir haben hier einen Schatz an Kulturdenkmalen für die ein Leben nicht ausreicht, sie alle zu besichtigen. Das zu vermitteln ist mir ein persönliches Anliegen.

Im Rahmen meiner Arbeit mit dem Hegau-Geschichtsverein haben wir erst kürzlich eine Schrift über die Romanik am westlichen Bodensee veröffentlicht. Nur eines von unzähligen, spannenden Themen des Sees. Und die sollten wir auch unseren vielen Besuchern zugänglich machen. Es ist so schön, wenn Leben ist in dieser Landschaft. Der Bodensee ist auch ein Ort, an dem die alltäglichen Erregtheiten von einem abfallen.

Für die Schätze der Region können Einheimische und Gäste noch viel mehr sensibilisiert werden. Die Region hat so viel zu bieten. Das ist unser Auftrag – den Bodensee als kleinen, eigenen kostbaren Kulturraum zu sehen. Tradition und Erfordernisse der Moderne: Allen gerecht zu werden bleibt ein Spagat, der aber mit einem verantwortungsvollen Miteinander gut zu meistern ist.

Sie kennen die Region besser als viele andere. Haben Sie einen Lieblingsort am See?

Das ist schwer zu beantworten. Der See hat viele wunderschöne und sehr unterschiedliche Orte, Stimmungen und Landschaften.

Vielleicht ist es weniger ein Lieblingsort als eine besondere Zeit im Jahr. Alle Jahreszeiten haben ihren Reiz. Aber im Herbst kann man die Struktur der Landschaft ganz besonders gut erkennen. Die zerklüftete Topografie des Bodanrücks, die vielen Wasservögel, das besondere Licht und der Blick auf die Alpenkette bei einer Fön-Wetterlage. Das ist schon etwas Besonderes.