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"Man sieht die Welt mit anderen Augen"
Interview mit dem Geschäftsführer der Deutschen Zeppelin-Reederei

Eckhard Breuer ist seit Juli 2017 Geschäftsführer bei der Deutschen Zeppelin-Reederei in Friedrichshafen. Die Redakteure des Bodensee Magazins haben sich mit ihm über die Faszination des Zeppelinflugs unterhalten.

Das ganze Interview finden Sie in der aktuellen Ausgabe des Bodensee Magazins 2018.

BOMA: Herr Breuer, wann und wie war Ihr erster Flug mit einem Zeppelin?

BREUER: Mein erster Flug mit dem Zeppelin liegt knapp ein Jahr zurück. Die Begeisterung für den Zeppelin wurde aber schon auf der AERO 2015 geweckt, als ich für den kanadischen Flugzeughersteller Bombardier Kundengespräche auf der Zeppelin-Terrasse führte und der Zeppelin-Betrieb vor unseren Augen stattfand. Schon seit meinem 20. Lebensjahr bin ich in der Luftfahrt zuhause, das Flugerlebnis im Zeppelin unterscheidet sich aber sehr von dem in anderen Luftfahrzeugen. Zeppelinfliegen ist ein sehr emotionales Fliegen, schon der senkrechte Start ist ein faszinierendes Gefühl!

BOMA: Unabhängig von Ihrer Begeisterung für die Fliegerei: Was bedeutet für Sie Zeppelin?

BREUER: Diese Firma ist über den Flugbetrieb hinaus etwas ganz besonderes. Zeppelin ist das Kompetenzzentrum schlechthin für die Luftschifffahrt weltweit. Die Zeppelin Lufttechnik ist sowohl in der Entwicklung, der Fertigung als auch in der Wartung der Zeppeline tätig. Die Flugbetriebstochter Deutsche Zeppelin Reederei hat eine Zulassung als Fluggesellschaft und darf kommerziell Passagiere befördern. Hinzu kommen die technischen Komponenten des Flugbetriebs und die Flugschule für Piloten. Diese Firma hat sechs Zulassungen, diese Breite kann sonst kein Luftfahrtunternehmen weltweit aufweisen. Dabei beschäftigt das Unternehmen nur rund 100 festangestellte Mitarbeiter plus etwa 60 zusätzliche Saisonkräfte. Bei uns sind Allrounder als Mitarbeiter gefragt. Multitalente, die die Breite des Unternehmens widerspiegeln.

BOMA: Was sind die Voraussetzungen, um Luftschiff-Pilot zu werden? Und wie viele Zeppeline sind derzeit in Betrieb?

Voraussetzung für die Ausbildung ist eine Berufspilotenlizenz, die Commercial Pilot License. Um einen Zeppelin fliegen zu dürfen, braucht man zusätzlich eine Musterberechtigung für ein Luftschiff. Derzeit sind sechs Piloten bei uns beschäftigt, ein weiterer befindet sich gerade in der Ausbildung und wird zur nächsten Saison als Pilot bei uns anfangen können. Am Bodensee sind zwei Luftschiffe unterwegs, zwei weitere bei unserem Flottenkunden Goodyear. Für unseren eigenen Flugbetrieb in Friedrichshafen wird über die Fertigung eines neuen Zeppelins nachgedacht, der dann einen älteren ersetzen wird. Mit weiteren Kaufinteressenten sind wir im Gespräch, als kleine Firma müssen wir unsere Kapazitäten aber sorgfältig prüfen.

BOMA: Wie weit kann ein Zeppelin denn fliegen?

BREUER: Im September sind wir für eine Tour durch Norddeutschland 800 Kilometer nach Neumünster in Schleswig-Holstein zu einer Baumesse nonstop durchgeflogen. Von dort ging es nach Sylt, wo wir für Gäste der Insel Rundflüge angeboten haben. Zu guter Letzt flogen wir für das Helmholtz-Zentrum Geesthacht, dem Zentrum für Material- und Küstenforschung, Forschungsflüge über der Deutschen Bucht. Innerhalb Deutschlands können wir jeden Ort in einem Tag erreichen. Bei längeren Strecken wird es logistisch aufwändiger. Denn überführen wir den Zeppelin im Eigenflug, muss gleichzeitig ein Mastfahrzeug auf der Straße nachgeführt werden, um sicherzustellen, dass das Luftschiff überall verankert werden kann.

BOMA: Kann man spontan einen Flug buchen?

BREUER: Bei schönem Wetter reagieren wir auf eine gesteigerte Nachfrage. Wir verlängern dann den Flugtag und bieten zusätzliche Flüge an. Mein Tipp für spontan Interessierte: Auch mal auf den Tagesrand schauen. Im Sonnenuntergang zu fliegen ist ein fantastisches Erlebnis. Es lohnt sich aber immer, bei uns vorbeizukommen. Auf der Sonnenterrasse kann man wunderbar sitzen und den Flugbetrieb beobachten. Um auch hier gute Aufnahmen machen zu können, gibt es im Zaun Klappen, durch die man die Zeppeline fotografieren kann. Tagsüber bietet unser Restaurant eine hervorragende Küche an, und abends öffnet mit dem Buffalo eines der besten Steakhäuser Süddeutschlands seine Pforten.

BOMA: Zum Abschluss: Was ist Ihnen besonders aufgefallen in Ihren ersten Monaten als Geschäftsführer bei Zeppelin?

BREUER: Ich habe noch keine Firma erlebt, in der die Identifikation mit dem Produkt so lebendig ist wie bei Zeppelin. Die Marke Zeppelin ist in der ganzen Gegend verwurzelt. Friedrichshafen ist die Zeppelinstadt, was auch am Logo der Stadt zu erkennen ist. Oberbürgermeister Brand hat mal gesagt, die Luftschiffe seien identitätsstiftend für die Region. Graf Zeppelin hat vor über 100 Jahren den Grundstein für die Industrialisierung des nördlichen Bodenseeufers gelegt, heute sind hier Weltunternehmen wie ZF oder Rolls Royce Power Systems ansässig. Wir alle können uns freuen, dass einige mutige Visionäre in den 1990er Jahren die Entscheidung trafen, ein Luftschiff neuer Technologie zu bauen und eine Touristenattraktion und ein Markenzeichen für den Bodensee zu schaffen. Und wir arbeiten daran, das weiter auszubauen.